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Montag, 24.06.2019 12:58 12:58 Alter: 141 Tage

"Kompostierbare" Kunststoffe kontaminieren Böden und Gewässer

Es ist paradox: Gerade umweltbewusste Verbraucher bringen Mikroplastik in die Umwelt! Plusminus zeigte jüngst das ganze Dilemma und befragte dazu Prof. Dr. B. Sadlowsky.

Kompost mit Kunststoff gemäß DIN EN 13432

„Biokunststoff“ im Kompost

Immer mehr Verbraucher kaufen „biologisch- abbaubare“ Abfallsäcke in dem Glauben, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Das geschieht nicht nur in Deutschland, europaweit könnten 2020 300.000 Tonnen an sog. bioabbaubaren und kompostierbaren Kunststoffprodukten über den Ladentisch gehen1 und vielfach in der Biotonne landen. Genau da beginnt das Problem:

Plusminus vom 19.06.2019 zeigte am Beispiel der Hannover Abfallbetriebe, wie die Entsorger mit diesen „Biokunststoffen“ zu kämpfen haben. Bevor aus Biomüll Kompost werden kann, müssen erst große, dann kleine Plastikrückstände aufwendig aus der Masse herausgefiltert werden. Das kostet.

Ursache und Lösungsvorschläge:

Offensichtlich wird Müll in Deutschland zunehmend falsch getrennt. Gegenüber Plusminus fordert die Deutsche Umwelthilfe daher eine breite, herstellerfinanzierte Informationskampagne und Aufklärung in den Schulen. Die Petrochemische Industrie bietet dagegen „kompostierbares Plastik“ an, die Entsorgungsbetriebe halten davon gar nichts, da es von den konventionellen Kunststoffen kaum zu unterscheiden ist.

Was heißt "kompostierbares Plastik" genau? Antworten liefert die Verpackungsforschung:

Die Kunststoffe müssen auch nicht unterschieden werden, denn 2012 hat ein wissenschaftliches Projekt von HAW und BFSV in Hamburg gezeigt,  „kompostierbares Plastik“ ohnehin nicht vollständig verrottet. Gegenüber Plusminus stellt der damalige Studienleiter Prof. Dr. B. Sadlowsky nochmals klar: Was kompostierbar heißt, regelt eine entsprechende Norm. Gemeint ist die DIN EN 13432. Sie besagt: Nach einer Kompostierung von 12 Wochen sind nicht mehr als 10% der ursprünglichen der Masse größer als 2mm.2
Für Plusminus zeigt Prof. Dr. B. Sadlowsky nochmals die Originalteile, die seinerzeit nach 12 Wochen übrig blieben. Diese sind zwar kleiner als 2mm, dennoch sind sie mit bloßem Auge deutlich erkennbar. Wenn diese Reste dann über den verkauften Kompost in den heimischen Garten kommen, erklärt der Experte weiter, fehlen die Rahmenbedingungen für eine weitere Zersetzung, also die richtige Temperatur, genug Feuchtigkeit, ein optimaler ph-Wert und ausreichenden Mikroorganismen. Der Kunststoff verbleibt im Boden.

Abfallentsorger und Umweltschützer plädieren deshalb dafür, „kompostierbares Plastik“ im Restmüll zu entsorgen und dann zu verbrennen. Dadurch könnte zumindest Energie zurückgewonnen werden. ARD

Plusminus stellt somit klar: Für die Bodenqualität bringen „Biokunststoffe“ gar nichts, im Gegenteil: Sie vergrößern das Kunststoffproblem nur noch!

Sehen Sie den ganzen Bericht Kampf gegen Plastikmüll des ARD Magazins Plusminus vom 19.06.2019

Quellen:

1. news.bio-based.eu/media/2016/04/16-04-05-PM-biologisch-abbaubare-Kunststoffe-in-Europa.pdf

2. www.bfsv.de/fileadmin/user_upload/Presse/1205_Packreport_Bioverpackungen.pdf